Kinder mögen den Computer. Sie klicken gern nur so herum, spielen aber auch gern und freuen sich daran, dass sie mit einem Mausklick bestimmen können, was sich auf dem Bildschirm abspielt. Aber ist das denn auch „gut“ für Kinder? Sollten sie nicht lieber draußen spielen, statt am Computer zu vereinsamen und dabei „schädliche“ Inhalte aufzunehmen?
Schon aufgrund unserer eigenen Verantwortung als Eltern haben wir uns mit den Einstellungen und Vorurteilen zum Thema Kind und Computer einmal näher beschäftigt.
Vorurteil 1: Der Computer zieht die Kinder total in seinen Bann. Kinder, die Computer spielen, werden quasi „süchtig“ danach.
Richtig ist, dass inzwischen 70 Prozent der 6- bis 13-Jährigen Zugang zu Computern haben (Quelle: KIM-Studie 2003 des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest). Trotzdem nimmt der Computer bei den beliebtesten Freizeitaktivitäten in dieser Altersgruppe nur den neunten Rang ein.
6- bis 13-Jährige: Top 15-Freizeitbeschäftigungen
Quelle: KidsVerbraucherAnalyse 2004.
Auch zahlreiche andere Studien haben ergeben: „Mit Freunden zusammen sein“ oder auch „mit Freunden draußen spielen“ ist immer die meist genannte Lieblingsbeschäftigung. Der Computer ist eher ein Komplementärmedium, das genutzt wird, wenn das Wetter schlecht ist oder der Freund/die Freundin keine Zeit haben.
Vorurteil 2: Kinder, die am Computer spielen, gehen gar nicht mehr raus.
In einer Untersuchung unter 8-bis 14-Jährigen im Rahmen des Forschungsprojekts "Evaluation der Computerspielkulturen bei Heranwachsenden“ an der Universität Bielefeld, beschäftigte sich der Pädagoge Johannes Fromme vor allem mit den Kindern, die bei der Befragung angegeben hatten, täglich mit dem Computer zu spielen. Er fand heraus:
Erstens geben die Kinder, die täglich Video- und Computerspiele spielen, nicht seltener, sondern eher häufiger an, oft in ihrer Freizeit Sport zu treiben. Für die These, dass das Spielen am Bildschirm die sportliche Bewegung ersetzt, gibt es also keinen Beleg.
Zweitens gibt es keinen Beleg dafür, dass häufige Nutzer von Computerspielen weniger lesen als andere Kinder. Es gibt nur eine geschlechtsspezifische Differenz: Jungen lesen nach eigenen Angaben seltener als Mädchen (dieser Befund ist im Übrigen nicht neu), und Mädchen spielen seltener am Computer. Innerhalb der beiden Geschlechtsgruppen gibt es keine derartigen Zusammenhänge: Jungen, die täglich Computerspiele spielen, geben genauso häufig an, oft zu lesen, wie Jungen die selten oder gar nicht am Bildschirm spielen, und bei den Mädchen ist es genauso.
Drittens spielen Kinder, die täglich Video und Computerspiele spielen, auch nicht seltener als andere draußen mit anderen Kindern, so dass die Ergebnisse die These einer Mediatisierung der Freizeit zu Lasten des außerhäusigen Spielens nicht zu untermauern vermögen. Der Blick auf das Spektrum der "oft" ausgeübten Freizeitaktivitäten der Kinder, die angegeben haben, dass sie in ihrer Freizeit "oft" Video- oder Computerspiele spielen, zeigt, dass die Freizeitgestaltung durch die neuen Medien nicht einseitig wird. Denn über 65 Prozent dieser Gruppe spielen auch oft draußen mit anderen Kindern, gut 63 Prozent hören oft Musik und 62 Prozent treiben oft Sport - alles Werte, die sogar leicht über dem Durchschnitt liegen.
Vorurteil 3: Der Computer macht dumm. Kinder, die am Computer spielen, haben schlechtere Noten in der Schule.
Wie oben schon gesagt, haben 70 Prozent der 6- bis 13-Jährigen Zugang zu Computern. Bei den 12- bis 19-Jährigen beträgt der Wert sogar 93 Prozent (JIM-Studie 2002 des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest). 54 Prozent der Jungen und 39 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe besitzen einen eigenen PC. Und das ist gut so. Denn wie eine Betrachtung des PC-Nutzungsverhaltens zeigt, wird der Computer mit zunehmendem Alter immer vielfältiger genutzt. Steht bei den 12- bis 13-Jährigen noch das Spielen am Computer klar im Fokus gegenüber der Nutzung des PCs für die Erledigung der Hausaufgaben, haben sich die Werte bei den 16- bis 17-Jährigen völlig angeglichen. Jeweils acht von zehn Befragten geben sowohl an, den Computer zum Spielen zu nutzen, als auch, damit Texte für die Schule oder Ausbildung zu schreiben.
12- bis 18-Jährige: Tätigkeiten am Computer

Quelle: Bravo Faktor Jugend 3
Je früher ein Kind mit sinnvoller und das Lernen fördernder Software an den Computer heran geführt wird, desto eher erkennt es die Möglichkeiten, die der PC neben dem Spielspaß bietet und kann diese nutzen. Eine aktuelle Untersuchung in den USA kommt sogar zu einem noch deutlicheren Ergebnis: Während ein PC im Haushalt die schulischen Leistungen positiv beeinflusst, wirkt ein eigener Fernseher im Kinderzimmer negativ. Untersucht wurden dabei die Leistungen von Drittklässlern aus sechs Grundschulen in Kalifornien. Die besten Resultate erzielten diejenigen Kinder, bei denen ein eigener Fernseher im Kinderzimmer fehlte, während ein PC im Haushalt vorhanden war.





